Die Geschichte der Villacher Bürgergarde
 
Die Wurzeln der Villacher Bürgergarde liegen in der Mitte des 16. Jahrhunderts, genauer im Jahre 1552.

Kaiser Karl der V. der von 1519 – 1564 das heilige römische Reich deutscher Nation regierte, musste im Mai 1552 Innsbruck verlassen, da er von seinem Gegner Moritz von Sachsen mit starken Truppen bedroht wurde. Der Kaiser wurde von seinen Getreuen über den Brenner und durch das Pustertal nach Villach gebracht, wo er am 26.05. eintraf.

Als bekannt wurde, dass der Kaiser Villach aufsuchen wird und hier Quartier nimmt, schlossen sich die angesehensten Bürger der bambergischen Stadt Villach zum Schutze des hohen Gastes zur „Stadtguardia“ zusammen. Dem Kaiser wurde durch die Stadtguardia ein freundlicher Empfang bereitet, diese stellte auch eine Ehrenwache vor dem Quartier welches der Kaiser im damaligen Khevenhüllerschen Haus am Hauptplatz – dem nunmehrigen Hotel Post – bezog.

Der Kaiser blieb bis Juli 1552 in Villach und zog dann über Tirol nach Augsburg, wo am 06.09.1555 jener Religionsfriede geschlossen wurde, der die Bekenner der augsburgischen Konfession den Katholiken gleichstellte.

Aus der Stadtguardia von 1552 entwickelte sich nach und nach die Villacher Bürgergarde. Da Villach im Mittelalter lange keine Garnisonsstadt war, hatte diese Bürgergarde nicht nur repräsentative Aufgaben bei kirchlichen und weltlichen Feiertagen wahrzunehmen, sondern wurde auch zum Schutze von Transporten, sowie „……..zur Abwehr räuberischer und feindlicher Einfälle…….“ eingesetzt.

Ende des 18. Jh. hatte das Villacher Kreisamt der Villacher Bürgergarde das Recht sich zu uniformieren und auszurücken vorerst entzogen, dieses wurde sodann durch ein Hofdekret vom 01.06.1795 neuerlich zuerkannt.

Nach dem Abzug der französischen Besatzungstruppen, die im Zuge der napoleonischen Kriege auch Villach besetzt hielten, wurde im Jahre 1820 vom damaligen Korpskommandanten Pobeheim eine erste Verfassung, nämlich die „Verhaltungsregel der k.&k.-privilegierten Bürgergarde in Villach“ erlassen.

In diesem Zeitraum bestand das Offizierskorps der Bürgergarde aus 1 Major, 1 Adjutanten, 2 Hauptleuten, 2 Oberleutnanten, sowie 4 Leutnanten. Weiters waren noch 1 Fahnenführer, 4 Feldwebel, 12 Korporale, 80 Gardisten, 4 Tambouren, 2 Zimmerleute, 12 Hautboisten, 6 Bandisten, 1 Kapellmeister und 1 Regimentstambour Mitglieder der Villacher Bürgergarde, insgesamt sohin133 Mann.

Die Uniform bestand aus einem Frack in dunkelgrünem Tuch mit gelben Knöpfen, Aufschläge und Vorstöße hellrot. Dazu wurde eine weiße Hose getragen. Es gibt heute 2 Varianten dieser Uniform, eine aufwändiger gestaltete und kunstvoller ausgeführte aus der Zeit Ende 18. Jahrhundert und eine einfachere, die nach den napoleonischen Kriegen zum Einsatz kam.


1835 suchte die Villacher Bürgerschaft wieder um den Fortbestand der Bürgergarde an, dieser wurde bewilligt, da laut Schreiben des Kreisamtes der Stadt Villach „... störende Konflikte und unlautere Tendenzen nicht zu befürchten seien …“.

Der Zweck der Bürgergarde zum damaligen Zeitpunkt war „…..die Verherrlichung religiöser Feste und des Geburtstagsfestes des Kaisers, sowie die Beistellung von Wachen in Stunden der Gefahr und bei sonstigem Drange…...“

Ein weiteres Hofdekret vom 02.04.1836 bewilligte den Fortbestand.

Am 29.09.1844 erfolgte eine feierliche Fahnenweihe in Anwesenheit des Landesgouverneurs Josef Freiherr von Weingarten, durch den Fürstbischof von Gurk, Adalbert Lidmansky.
Diese Fahnenweihe und das dabei eingehaltene „Rahmenprogramm“ dauerten insgesamt 2 Tage.

Wie in vielen anderen Städten wurde im Revolutionsjahr 1848 auch in Villach neben der uniformierten Bürgergarde auch eine „Nationalgarde“ eingerichtet. Dieser traten in wenigen Tagen etwa 100 Personen bei. Auch ein Teil – vor allem junge Mitglieder – der Bürgergarde wechselten zur Nationalgarde.

Diese trug graue Waffenröcke mit grünen Aufschlägen, Jägerhüte und verwendet neue Kapselgewehre. Die Villacher Bürgergarde hatte Feuerschlossgewehre in Verwendung.

Nationalgarde und Bürgergarde versahen abwechselnd den Sicherheitsdienst in der Stadt und in deren Umgebung. Die Absicht, die beiden Garden zu verschmelzen konnte wegen Differenzen hinsichtlich der Bewaffnung und Uniformierung nicht durchgeführt werden.

Zum damaligen Zeitpunkt hatte die Bürgergarde 159 Mann Stärke - die 1. Kompanie stand unter dem Befehl des Hauptmannes Josef Kassin, der zugleich Korpskommandant war, die 2. Kompanie führte Hauptmann Johann Picco - die Nationalgarde umfaßte insgesamt 328 Mann.

In den Jahren 1848 und 1849 begleiteten beide Garden während des italienischen Feldzuges die Lebensmitteltransporte für die Armee bis Pontafel und versahen Wachdienst bei der Kaserne, bei den Verpflegungsmagazinen und beim Pulverturm.

Die Nationalgarde löste sich nach dem italienischen Feldzug 1849 auf, die Bürgergarde bestand bis 1852. In einer der letzten Versammlungen kam es zu Differenzen über die Uniformierung und die Bewaffnung, sodass beschlossen wurde, die weitere Tätigkeit der Bürgergarde einzustellen.

Die letzten Offiziere der Villacher Bürgergarde waren:

P. Mühlbacher, Major
Josef Kassin, I. Hauptmann
Johann Picco, II. Hauptmann
Paul Hauser, I. Oberleutnant
Josef Interberger, II. Oberleutnant
J.P. Egger, Adjutant
G. Helmbacher, Leutnant
Josef Willroider, Leutnant
P.A. Radivo, Leutnant
Franz Interberger, Leutnant

Die Bürgergarde verfügte zum damaligen Zeitpunkt auch über eine eigene Musikkapelle mit 30 Mann, Kapellmeister war Karl Bauer.

Am 25.06.1852 wurde vom Gemeindeausschuss der Stadt Villach beschlossen, die Uniformen sowohl der Bürgergarde, als auch der Nationalgarde bestmöglich zu verkaufen und den Erlös an die Gemeindekasse abzuführen.

 
Neugründung der Villacher Bürgergarde nach 152 Jahren:
 
Die Neugründung der Villacher Bürgergarde wurde durch Herrn Willibald Scheiber beginnend im Jahre 2003 betrieben. Ab diesem Zeitpunkt führte Herr Scheiber die erforderlichen Recherchen und Vorbereitungsarbeiten zur Neugründung der Villacher Bürgergarde durch.

Von Seiten des Museumsleiters Herrn Dr. Neumann bekam Herr Scheiber Originaluniformen aus dem Bestand des Villacher Museums zur Verfügung gestellt. Er hat sich bei Auswahl der beiden Möglichkeiten für die aufwändigere Uniform, wie sie Ende des 18. Jh. in Verwendung stand entschieden.

Die Neuanfertigung der Uniformen erfolgte durch die Schneiderei Gutra und sind diese dem Original aus dem 18. Jahrhundert bis ins kleinste Detail nachempfunden. Die Tschakos der Villacher Bürgergarde werden von der Hutmanufaktur Mazur in Wien hergestellt.

Am 20.04.2004 fand die Gründungsversammlung der Villacher Bürgergarde statt und wurden die Statuten bei der Vereinsbehörde eingereicht.

Gründungsmitglieder sind :

Willibald Scheiber (Obmann bis 2006)
Franz Tschofenig (verstorben 2006)
Dr. Klaus J. Mitzner-Labrés
Dr. Michael Krautzer
DI (FH) Hannes Kollegger

Am 18.04.2005 konnte die „Villacher Bürgergarde neu“ ihre Uniformen erstmals öffentlich im Fürstenzimmer des Hotel Post präsentieren. Ab diesem Zeitpunkt absolvierte die Villacher Bürgergarde sowohl in Villach selbst, als auch österreichweit und im benachbarten Ausland (Friaul) eine Reihe von öffentlichen Auftritten und Präsentationen.

Am 21.04.2007 fand am Oberen Kirchenplatz die feierliche Fahnenweihe der neuen Fahne der Villacher Bürgergarde statt. Diese neue Fahne entspricht exakt jenem Vorbild, wie sie im September 1844 geweiht wurde und ebenfalls im Museum der Stadt Villach aufbewahrt war. Die Fahnenweihe wurde vom Herrn Bürgermeister der Stadt Villach Helmut Manzenreiter gemeinsam mit dem Gemeinderat großzügigst unterstützt, da die Anschaffung der Fahne einen erheblichen finanziellen Aufwand nach sich zog.

Als Fahnenmutter konnte Frau Vizebügermeisterin Mag. Gerda Sandrieser gewonnen werden. Fahnenpatinnen sind Eveline Kollegger, Helga Mitzner, Ulrike Plasounig, Christine Wachtel. Zur feierlichen Fahnenweihe sind Vertreter fast aller Kärntner Bürger- und Schützengarden, sowie des Privilegierten Uniformierten Grazer Schützenkorps erschienen. Auch eine große Anzahl von Fahnenabordnungen des Österreichischen Kameradschaftsbundes, des Abwehrkämpferbundes und ähnlicher Traditionsvereinigungen, sowie die Villacher Bürgerfrauen und die Goldhaubenfrauen Villach, nahmen an der feierlichen Fahnenweihe teil.

Mit der neuen Fahne hat die Villacher Bürgergarde nunmehr wiederum ein kräftiges Symbol für die Weiterentwicklung und für eine positive Zukunft.

Der Obmann und I. Hauptmann
Dr. Klaus J. Mitzner-Labrés